PSYCHOLOGISCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR PFLEGENDE ANGEHÖRIGE


Sich etwas Gutes tun

Auch Sie stehen im Mittelpunkt



Nur, wenn es Ihnen gut geht, können Sie die Pflege Ihres Angehörigen auf Dauer gut leisten. Damit es Ihnen gut geht, ist es wichtig, dass Sie auch auf sich Acht geben. Wir möchten Sie dazu einladen, sich regelmäßig etwas Gutes zu tun und sich hin und wieder für die gute Arbeit, die Sie leisten, zu belohnen.


Stellen auch Sie sich mal in den Mittelpunkt und erlauben Sie sich etwas.
Achten Sie zum Beispiel darauf, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen und sich ausgewogenen ernähren. Unsere Bitte: tun Sie sich etwas Gutes und legen Sie häufiger mal eine kleine Pause ein. Oder nehmen Sie sich (wieder) mal etwas mehr Zeit für Freunde, Bekannte oder Nachbarn. Vielleicht ergibt sich daraus ja sogar ganz unerwartet etwas praktische Unterstützung für Ihren Pflegealltag, wer weiß.

Verwöhnen Sie sich!

Wir haben ein paar Ideen zusammengetragen, wie Sie im Pflegealltag auch ohne großen Aufwand etwas Gutes für sich selbst tun können. Aber jeder Mensch ist anders – finden Sie selbst heraus, was Ihnen am besten gefällt, was sie entspannt und Ihnen wohltut.

Etwas Gutes für Zwischendurch

Pausen und Auszeiten

Pausen sind lebensnotwendig, um neue Kraft zu tanken. Gönnen Sie sich eine Pause, wann immer es möglich ist. Pausen müssen nicht lang sein, aber sie sollten auch für nichts verplant werden, nicht einmal für ein schnelles Telefonat. Ideal ist die Pause, wenn Sie ein paar Minuten an nichts denken und nichts tun, sondern einfach nur dasitzen. Überprüfen Sie sich: Wie sehen Ihre kurzen Pausen aus? Was tun Sie in Ihren Pausen?

Oder gehören Sie zu den Menschen, die nie Pausen machen können? Versuchen Sie es jetzt. Machen Sie Pause. Hören Sie auf zu lesen, lehnen Sie sich zurück und tun Sie ein paar Minuten absolut nichts. - Wie ist es Ihnen ergangen?

Planen Sie jeden Morgen auch eine echte Auszeit für den Tag. Legen Sie fest, wann und wie lang sie sein soll. Auch wenn sie nur fünf oder zehn Minuten dauert, so bringt die Unterbrechung doch Erholung und frische Impulse. Nutzen Sie die kurze Auszeit für etwas, das Ihnen Spaß macht: Hören Sie Ihre Lieblingsmusik oder machen Sie eine Entspannungsübung.

Spannung abschütteln

Um Verspannungen der Muskulatur loszuwerden, gibt es zahlreiche Übungen. Eine besonders einfache ist, die Spannung einfach aus dem Körper rauszuschütteln: Beginnen Sie mit den Händen. Schütteln Sie die Hände so, als wollten Sie Wasser abtropfen lassen. Erst langsam, dann immer stärker. Dann machen Sie das gleiche mit den Armen. Schließlich schütteln Sie das rechte und dann das linke Bein aus und zum Schluss den ganzen Körper. Lassen Sie dabei auch den Kopf locker hängen und die Gesichtsmuskulatur entspannt. Schütteln Sie Anspannung und Stress einfach weg.

Entspannung durch Patience

Eine beliebte Entspannung ist es, Patiencen zu legen. Man ist mit sich und den kleinen Patience-Karten allein. Die Gedanken kommen zur Ruhe und Entspannung kehrt ein.

Manchen Menschen liegt es mehr, sich mit Meditation und anderen Übungen zu entspannen, andere können am besten abschalten, wenn sie zum Beispiel mit Gymnastikübungen körperlich aktiv sind.

Lob tut gut

Im Alltag wird oft über das geredet, was schlecht läuft. Auch fragen wir uns öfter, was wir falsch gemacht haben, statt zu sehen, was wir gut machen. Gönnen Sie sich ruhig selbst mal ein Lob. Fragen Sie sich regelmäßig: Was ist mir gut gelungen? Was kann ich richtig gut? Und loben Sie sich dafür. Das tut gut.

Sich Zeit nehmen für...

...Sport und Bewegung

Wenn die Zeit immer knapper wird, sind es häufig die Stunden für Sport und Bewegung, die zuerst geopfert werden. Der Spaziergang wird verschoben, die Sportgruppe fällt diese Woche aus. Je größer die Erschöpfung durch den Pflegealltag ist, desto geringer ist der Antrieb für Sport und Bewegung.

Aber wohl jeder hat schon die Erfahrung gemacht, welche Glücksgefühle aufkommen können, wenn man sich überwindet und den Körper trotzdem richtig in Bewegung bringt. Der Kopf wird freigepustet, und Sie kommen auf andere Gedanken. Gönnen Sie sich – so oft es geht - etwas Bewegung oder Sport. Das ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele.

...Entspannung

Entspannung tut gut, aber wie passt sie in den Pflegealltag? Der erste Schritt ist, dass Sie erkennen, niemand kann rund um die Uhr im Einsatz sein. Ohne Pausen zur Erholung und Entspannung geht es einfach nicht.

Planen Sie möglichst schon am Morgen, wann Sie am Tage Zeit für eine Entspannungspause haben. Am besten, wenn der gepflegte Angehörige mit Sicherheit schläft. Wie Sie sich dann Entspannung verschaffen, hängt von Ihren Vorlieben ab. Manche Menschen hören gern entspannende Musik. Andere haben gute Erfahrung mit Übungen zur Tiefenentspannung nach der Jacobson-Methode gemacht. Probieren Sie aus, was Ihnen am angenehmsten ist.

...Hobby

Viele Menschen haben neben der alltäglichen Arbeit noch eine Lieblingsbeschäftigung: ein Hobby, das man mit Leidenschaft verfolgt oder das ganz einfach Spaß macht. Menschen musizieren oder lesen gern, sie sammeln Briefmarken oder andere Dinge, sie malen, basteln und arbeiten ehrenamtlich in Vereinen. Meistens kommen jedoch die eigenen Interessen zu kurz, wenn durch den Pflegealltag die Zeit scheinbar knapper wird und der Blick sich zunehmend auf die Pflege des Angehörigen verengt.

Die Wichtigkeit von Hobbys darf jedoch nicht unterschätzt werden: sie haben eine sehr entspannende Wirkung und sorgen für Ausgleich und Wohlbefinden. Daher unser Rat: Bemühen Sie sich, Ihre Lieblingsbeschäftigungen nicht zu sehr zu vernachlässigen, denn diese sorgen mit dafür, dass Sie die Anstrengungen des Pflegealltags dauerhaft und ausgeglichen bestehen.

...Musik hören


Musik ist für viele Menschen Balsam für die Seele. Oft hören wir Musik nebenbei, nehmen sie gar nicht richtig wahr, hören mit einem Ohr hin. Manchmal nervt eine dauernde Beschallung im Hintergrund.
Nehmen Sie sich doch mal wieder Zeit, ganz bewusst Ihre längst vergessenen Lieblingsstücke zu hören. Musik aus Ihrer Jugend - Schlager, Pop, Jazz oder klassische Musik? Was gefällt Ihnen? Womit verbinden Sie angenehme Erinnerungen?
Vielleicht haben Sie ja auch Lust, gemeinsam mit Ihrem pflegebürftigen Angehörigen einen Musik-Nachmittag zu verbringen und in der alten Schallplattensammlung zu stöbern?

...Lieblingsessen

Gut essen und trinken hält Leib und Seele zusammen, heißt es in einer deutschen Redensart. Häufig wird bei Stress im Pflegealltag die eigene Ernährung zur Nebensache, während die des gepflegten Angehörige im Mittelpunkt steht. Es ist gut, wenn Sie dafür sorgen, dass ihr Angehöriger gute und verträgliche Nahrung bekommt. Aber genauso wichtig ist es, dass Sie auch für sich selbst gut sorgen.

Kochen Sie doch mal wieder Ihr Lieblingsgericht. Was schmeckt Ihnen denn besonders gut? Und könnten Sie vielleicht sogar ein paar Portionen vorkochen und einfrieren? Dann haben Sie ihre Lieblingsmahlzeit immer im Haus, und wenn gar keine Zeit zum Kochen bleibt haben Sie es schnell aufgewärmt.
Und noch ein Tipp: wenn Sie tagsüber nicht dazu kommen in Ruhe zu Essen, sollten Sie sich abends oder am Wochenende Zeit für eine gemütliche Mahlzeit nehmen. Langsames und genussvolles Essen ist nicht nur gesund, sondern entspannt gleichzeitig!

...Mittagsschlaf

Wie sieht es bei Ihnen eigentlich mit einem regelmäßigen Mittagsschlaf aus? Wenn Sie keine Schlafprobleme in der Nacht haben, kann ein kleines Nickerchen nach dem Essen vielfach sehr erholsam sein! Allerdings nicht zu lange, zwischen 10 und 30 Minuten ist er am wirksamsten. Danach geht man in die Tiefschlafphase über, und das ist ungünstig – man wird dann schlechter wieder wach. Wer mit Müdigkeit nach dem Mittagsschlaf zu kämpfen hat, kann vor dem Nickerchen einen Espresso trinken. Die Wirkung tritt erst nach einer halben Stunde ein!

Sich verwöhnen mit...

...einem kleinen Geschenk

Wann haben Sie sich das letzte mal etwas geschenkt? Noch nie? Dann machen Sie sich doch mal selbst ein Geschenk! Belohnen Sie sich selbst für die gute Arbeit, die Sie jeden Tag mit der Pflege Ihres Angehörigen leisten. Besondere Leistung verdient auch besondere Anerkennung. Schenken Sie sich zum Beispiel einen Blumenstrauß, Pralinen, ein neues Parfüm oder ein besonderes Buch. Sie haben es sich verdient.

...einem Bad

Sie haben eine Badewanne, aber haben seit einem halben Jahr nicht mehr gebadet? Immer kam etwas dazwischen, war keine Zeit, haben Sie es vergessen, gab es Wichtigeres zu tun? Gönnen Sie sich doch in nächster Zeit mal ein Bad! Vielleicht haben Sie noch einen wohlriechenden Badezusatz im Haus? Ein Vollbad entspannt Körper und Geist, und dient gleichzeitig auch noch als Einschlafhilfe.

...mit einem Theater- oder Kinobesuch

Auch ein Abend im Theater, im Konzertsaal oder im Kino kann Sie auf andere Gedanken bringen – am besten mit Freunden oder Bekannten. Erleben Sie wohltuend, dass es auch noch ein Leben außerhalb der eigenen vier Wände gibt.

Organisieren Sie für den Abend einen vertrauenswürdigen Ersatz, der sich um Ihren Angehörigen kümmert, damit Sie beruhigt gehen können. Ein paar Stunden der Abwechslung und Freude müssen hin und wieder sein. Nur wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch gut für Ihren Angehörigen da sein.

...mit einem freien Abend

Besonders entspannend ist es auch, in den eigenen vier Wänden ohne jede Verpflichtung zu sein. Gönnen Sie sich von Zeit zu Zeit einen freien Abend, an dem Sie nur die Dinge tun, die Ihnen besonders Spaß machen. Lassen Sie für ein paar Stunden alle alltäglichen Arbeiten und Pflichten hinter sich.

Organisieren Sie auch für einen solchen Abend einen vertrauenswürdigen Ersatz, der sich um Ihren Angehörigen kümmert, damit Sie wirklich ungestört bleiben. Jeder Mensch braucht Zeit für sich selbst, um sich zu erholen und zu entspannen. Niemandem ist damit gedient, wenn Sie ohne Rücksicht auf sich selbst durch pausenlose Pflegearbeit schließlich selbst krank werden. Pflegen Sie sich selbst so gut wie Ihren Angehörigen.

...allem anderen, was Ihnen einfällt und was zu Ihnen passt!

Lob tut gut

Im Alltag wird oft über das geredet, was schlecht läuft. Auch fragen wir uns öfter, was wir falsch gemacht haben, statt zu sehen, was wir gut machen. Gönnen Sie sich ruhig selbst mal ein Lob. Fragen Sie sich regelmäßig: Was ist mir gut gelungen? Was kann ich richtig gut? Und loben Sie sich dafür. Das tut gut.



Mehrfachbelastung und emotionaler Druck können sich massiv auf Ihre Gesundheit und das seelische Wohlbefinden auswirken. Informieren Sie sich, wie man Belastungen rechtzeitig erkennt!

Seelische Belastungen sind nicht harmlos

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