PSYCHOLOGISCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR PFLEGENDE ANGEHÖRIGE


Rollenwechsel

Mit den Augen des Anderen



„Mit den Augen des Anderen sehen - wie soll denn das gehen? Ich kenne meinen Angehörigen nun schon so lange, ich weiß schon was das Beste für ihn ist, dafür brauche ich seine Augen nicht. Oder doch?“ Der Pflegalltag gleicht einem ständigen Balanceakt, in dem sich die Beziehung zwischen den pflegenden und den erkrankten Angehörigen täglich ändern kann.


Um mit den Veränderungen gut umgehen zu können, ist es wichtig zu versuchen, die Welt nicht nur mit den eigenen Augen, sondern auch mit den Augen des erkrankten Angehörigen zu sehen.

Bedürfnisse respektieren – Perspektiven wechseln

Wir haben alle die Fähigkeit, uns in andere Menschen hineinzuversetzen und mitzufühlen. Dies setzt jedoch voraus, dass man die Aufmerksamkeit vorübergehend von sich selbst auf den Anderen lenkt. Dabei wird unser Gegenüber nicht analysiert oder beurteilt, wir geben ihm vielmehr unsere Anteilnahme. Wir versuchen, uns in die andere Person hineinzuversetzen und uns vorzustellen, was sie in diesem Moment erlebt, was sie fühlt und wie es ihr ums Herz ist.

In Beziehungen fühlen wir uns dann besonders wohl, wenn wir das Gefühl haben von unserem Gegenüber verstanden und akzeptiert zu werden. Wenn unsere Bedürfnisse respektiert werden, fühlen wir ein Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung. Dies erleichtert uns, auch schwierige Situationen leichter zu ertragen und sie zu bewältigen.

Was hindert uns an der Anteilnahme?

In belastenden Situationen sind wir stark mit uns selbst beschäftigt und es fällt uns schwer, uns in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Wir stehen uns quasi selbst im Weg. Dies führt häufig zu Streit. Wenn wir es schaffen, einen Schritt zurück zu gehen, können solche belastenden Situationen wieder bewältigt werden ohne sich gegenseitig zu verletzen.

Wir alle können lernen, einfühlsam auf unser Gegenüber einzugehen

  • Schritt 1: Eigene Gefühle zeigen
    Wir sollten unsere Gefühle nicht verstecken, sondern angemessen ausdrücken und darüber sprechen. Indem wir unsere eigenen Gefühle besser verstehen und sie mitteilen, fällt es uns auch leichter die Gefühle anderer zu verstehen.
  • Schritt 2: Ein aufrichtiges Interesse für das Gegenüber entwickeln
    Was hat unser Gegenüber erlebt? Wie fühlt er sich wohl gerade? Weshalb ist sie oder er glücklich, traurig, verärgert oder deprimiert?
  • Schritt 3: In die Schuhe des anderen schlüpfen
    Um den erkrankten Angehörigen besser zu verstehen und mit ihm zu fühlen, müssen wir uns darum bemühen die Situation aus seiner Sicht zu sehen. Indem wir für einen Moment versuchen, die Welt mit den Augen des erkrankten Angehörigen zu sehen, gehen wir innerlich einen Schritt zurück und können in belastenden Situationen gelassener reagieren.
    Hierbei können folgende Fragen hilfreich sein:


Wie würde ich mich fühlen, wenn...
Was wäre mein Bedürfnis, wenn...
Was würde mir Freude machen, wenn...
Was würde mich stören oder mir Angst machen, wenn....
Angenommen ich würde so im Bett liegen und könnte nicht mehr alleine aufstehen...

Hin und wieder in die Rolle des Erkrankten zu schlüpfen, erhöht also nicht nur das Gespür für dessen Wünsche. Es hilft besonders auch, in belastenden Situationen der Pflege gelassener zu reagieren. Veränderungen in der Beziehung zwischen dem pflegenden und dem erkrankten Angehörigen werden früher bemerkt.

Mehrfachbelastung und emotionaler Druck können sich massiv auf Ihre Gesundheit und das seelische Wohlbefinden auswirken. Informieren Sie sich, wie man Belastungen rechtzeitig erkennt!

Seelische Belastungen sind nicht harmlos

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