PSYCHOLOGISCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR PFLEGENDE ANGEHÖRIGE


Umgang mit Sexualität

Ein Grundbedürfnis


Sexualität gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen wie Schlafen, Essen und Trinken. Sexualität kann Freude bereiten und die Lebensqualität steigern – bis ins hohe Alter hinein.

Das sexuelle Interesse im Alter lässt also keinesfalls nach. Der konkrete Wunsch nach Geschlechtsverkehr kann vielleicht etwas in den Hintergrund rücken, das Bedürfnis nach körperlicher Nähe, nach Zärtlichkeit und nach intimen Berührungen ist und bleibt jedoch sehr wichtig. Auch wenn altersbedingt die körperlichen Fähigkeiten oder die Gedächtnisleistungen eines Menschen immer mehr nachlassen, der Wunsch und das Bedürfnis nach Sexualität bleiben häufig bestehen.


Sexualität im Alter – immer noch ein Tabu

Sexualität im Alter ist nach wie vor ein Tabu. Stillschweigend geht man davon aus, dass ein aktives Sexualleben der Jugend vorbehalten ist. Doch das Gegenteil ist der Fall: eine Umfrage unter 70- bis 74-jährigen hat ergeben, dass zwei Drittel der befragten Frauen und die Mehrheit der Männer angeben, einen Wunsch nach Geschlechtsverkehr zu haben.

Fragt man ältere Menschen, die in einer Partnerschaften leben, nach ihren sexuellen Aktivitäten, dann zeigt sich, dass jede dritte Frau und jeder zweite Mann zwischen 71 und 80 Jahren in den letzten 12 Monaten mit ihrem Partner intim war. Diese Zahlen machen deutlich, dass Sexualität ein ganz menschliches Bedürfnis ist, das bis ins hohe Alter gespürt und vielfach auch gelebt wird.


Konfrontation mit sexuellem Verhalten im Pflegealltag

Das Vorhandensein von Sexualität in Verbindung mit Pflegebedürftigkeit ist ein großes Tabuthema. Dabei ist die Sexualität manchmal der einzige Moment, in dem der oder die Gepflegte noch selbstständig über den eigenen Körper entscheiden kann. Somit kann ein aktives Sexualleben - was auch die Selbstbefriedigung miteinschließt - die Lebensqualität eines pflegebedürftigen Menschen sehr steigern.

Pflegende Menschen sind aber immer wieder mit Situationen konfrontiert, in der die oder der Pflegebedürftige verdecktes oder offenes sexuelles Verhalten zeigt. Auch kann es vorkommen, dass es zu einem „enthemmten“ sexuellen Verhalten kommt, beispielsweise von demenzkranken Menschen. Diese Enthemmung kann sich bespielsweise in öffentlicher Selbstbefriedigung zeigen, im Aussprechen von Obszönitäten oder im unsittlichen Berühren des Pflegepersonals.

Die Konfrontation mit sexuellem Verhalten kann für pflegende Angehörige sehr erschreckend und irritierend sein, Ekelgefühle sind nicht selten. Das Thema Sexualität ist jedoch meist so schambesetzt, dass ein persönliches Gespräch darüber nicht leicht fällt.

 

 

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