PSYCHOLOGISCHE UNTERSTÜTZUNG FÜR PFLEGENDE ANGEHÖRIGE


Aggression

Was ist Aggression?


Jeder kennt aggressives Verhalten aus dem Alltag - bei der Arbeit, bei Sport und Spiel, im Straßenverkehr oder beim Streit im Familien- oder Freundeskreis. Aggression äußert sich in Angriffen und Drohungen - mit Worten ebenso wie mit körperlichen Attacken. Aggression gilt als eine naturgegebene Energie, die jeder Mensch benötigt, um seine eigenen Interessen und Wünsche durchzusetzen. Ob ein Verhalten noch „normal“ oder schon „aggressiv“ ist, hängt besonders auch davon ab, wie andere Menschen dieses Verhalten wahrnehmen. Je mehr es ihnen schadet oder sie angreift, desto eher sehen sie es als Aggression.

In der Psychologie gibt es zahlreiche Definitionen von Aggression. Ebenso zahlreich sind die Erklärungen, um aggressives Verhalten und seine Ursachen zu verstehen.


Folgen von Frustration

Wer auf seine eigenen Wünsche und Erwartungen ans Leben immer wieder verzichten muss, reagiert irgendwann mit Missmut, Unzufriedenheit und Verbitterung. Die Psychologie nennt es Frustration. Sie wird als eine wesentliche Ursache für Aggression und Gewalt gesehen – auch im Pflegealltag. Viele pflegende Angehörige sind mit der neuen Aufgabe völlig überfordert. Anfangs gleicht größter Einsatz dies noch aus, aber oft folgen später Hoffnungslosigkeit und Frustration. Solange kein Weg gefunden wird, die enorme Belastung befriedigend in den Alltag einzubauen, bleibt die Gefahr, dass die Nerven irgendwann blank liegen. Häufige Folge: Aggression und Gewalt.


Formen von Aggression

Aggressives Verhalten kann sich in unterschiedlichen Formen zeigen. Die offensichtlichste Form ist körperliche Gewalt: Schlagen, körperliche Bedrohung, Sachbeschädigung, aber auch die bewusst rohe und nachlässige Behandlung eines Pflegebedürftigen. Häufiger tritt Aggression aber in Worten und Gesten auf - Beleidigungen, Spott, Beschimpfungen, Schreien oder eine besonders unflätige Sprache.

Der Grat zwischen verbaler Aggression und körperlicher Gewalt ist schmal. Daneben gibt es noch indirekte Formen, mit denen beispielsweise Pflegebedürftige schikaniert werden. Etwa wenn das Telefon oder die Fernbedienung für den Fernseher absichtlich außerhalb ihrer Reichweite platziert werden, oder wenn es öfter Essen gibt, das sie noch nie mochten. Aggressives Verhalten im Pflegealltag ist ein Alarmsignal für Überlastung und Hilflosigkeit. Der pflegende Angehörige befindet sich meistens schon in einem ernsten Erschöpfungszustand.


Gewalt in der Pflege – (k)ein Tabu-Thema

Wenn es erst einmal zu Formen von Gewalt kommt, beispielsweise beim Essenreichen, weitet sich dies oft schnell auf weitere Bereiche der Betreuung aus; Grobheiten beim Ankleiden, falsche Wassertemperaturen beim Waschen der Pflegebedürftigen. Alte Menschen reagieren darauf mit den Mitteln, die ihnen noch zur Verfügung stehen. Sie schreien, schlagen um sich oder nässen vermehrt ein. Es entsteht eine verhängnisvolle Spirale: Die Überforderung des pflegenden Angehörigen wächst durch die verständliche Gegenwehr weiter - und mit ihr auch die Gewalt.

Aggressives Verhalten zwischen Pflegebedürftigen und deren pflegenden Angehörigen kommt häufig vor – von beiden Seiten. Genaue Zahlen gibt es nicht. Das liegt auch daran, weil dieses Thema in vielen Familien ein Tabu ist. Dabei wäre es besonders wichtig, offen und ehrlich darüber zu sprechen. Durch schlichte Verleugnung lässt sich Aggression im Pflegealltag nicht überwinden oder verhindern.

 

 

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